Asnen See - die Wildnis in Südschweden

Der Asnen ist ein riesiger See im schönen schwedischen Smaland. Zerklüftet und in an Fjorde erinnernde Arme erstreckt er sich über ein großes Gebiet. Teile des Sees tragen sogar den Namen Fjord. Die ganze Fläche von 50.000 Quadratkilometern lässt sich von keiner Stelle am Ufer richtig überblicken. So bleibt der Asnen ein großes Abenteuer, welches sich am intensivsten vom Wasser, aber auch per Rad, Motorrad oder Auto auf Straßen und Wegen erobern lässt.

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Schöner See Vederslövssjön, nahe Asnen
Wegweiser nach Kalvsvik am Asnen

So machten wir uns an einem schönen, klarem Tag am Ende des Sommers auf, um den See mit dem Auto zu erforschen. Von der Hauptstadt der Kommune Växjö aus kommend, sollte es an der zweitnördlichsten Ausdehnung des Sees losgehen. Relativ ortsunkundig war das kleine Dorf Kalvsvik das erste Ziel, welches von Växjö aus ins Navi eingegeben wurde. 

Kirche im Dorf nahe See Asnen
Asnen See, Kläcklingen, Bucht

Asnen - mit einer Straßenkarte gut unterwegs

Sofort war klar, dass sich die günstige Anschaffung einer Profi-Straßenkarte für die Region im Touristenbüro in Växjö bezahlt machen würde. Natürlich kam man auch so ans Ziel, aber die Map bot wertvolle Zusatzinfos, vor allem in Sachen Gesamtübersicht und über den Befestigungszustand der Straßen. Kurz bevor der Asnen erreicht wurde, machten wir einen kurzen Foto-Stop am Vederslövssjön.

Ab Kalvsvik führt eine gut ausgebaute Straße direkt nach Süden. Im Frühjahr und Herbst ist hier östlich die glitzernde Wasseroberfläche des Asnen zu erkennen, im Sommer aufgrund der üppigen Vegetation wohl kaum. Vorbei an einer der typischen weißen Kirchen der Gegend geht es über die Insel Kläcklingen weiter nach Süden. Aber völlig egal, die ersten Traumaussichten auf den See folgen unmittelbar, den man erreicht bald das Ostufer eines Arms des Sees, den Akavik.

Südspitze der Insel Kläcklingen, See Asnen
Asnen, Infotafel am See

Gerade morgens, wenn der Wind noch ruht und feine Nebelschwaden über das Wasser ziehen, sind solche Flecken Erde in Schweden ein Ort zum Träumen. Wer früh losfährt, hat später mehr Zeit und so bietet sich dieser Platz ideal für ein zweites Frühstück an. Aber die Größe des Sees ruft auch nach der baldigen Weiterfahrt, um bei diesem schönen Wetter möglichst viel zu entdecken.

Überall am Asnen findet man Informationen über Flora und Fauna, neben Schwedisch und Englisch auch in deutscher Sprache. Angler werden über Schonzeiten, Mindest- und auch Höchstmaße der Fische aufgeklärt. Die aktuelle Preisliste für Angelkarten ist gleich mit dabei, für schwedische Verhältnisse ist das Angeln im Asnen recht teuer. Dafür benötigt man aber auch keine Fischereiprüfung oder Mitgliedschaft in Vereinen um seine Rute ins Wasser zu werfen, die von vielen Hobby-Anglern kritisierte deutsche Bürokratie entfällt komplett.

Die Fahrt über die Insel Kläcklingen mit ihren schönen Aussichten gestaltet sich äußerst kurzweilig, man möchte immer wieder anhalten und fotografieren, oder einfach nur die Landschaft genießen. An der Südspitze entstand das Bild unten, nach einem Plausch mit einem an fast jeder Brücke hier zu findendem Angler, der fleißig seine Blinker und Wobbler Richtung dem Raubfisch Hecht auswirft, welcher in diesem Falle allerdings der Gejagte ist.

Akavik, ein Arm des See Asnen
See Asnen, die Brücke, Hössön-Sirkön

Die Brücke mit dem netten deutschen Angler bedeutete gleichzeitig Abschied von der Insel Kläcklingen und das Befahren der Nachbarin Sirkön. Dort angekommen geht es entweder nordwestwärts nach Hössön und weiter nach Norden am Skatelövsfjorden entlang, oder südostwärts Richtung Urshult und der Ferienregion Tingsryd. Für uns ging es zunächst rechts die Straße bis zur Brücke nach Hössön, um dann wieder umzukehren Richtung des Obstanbaugebietes Urshult.

An den Enden der Brücke kann man parken und das historische Bauwerk besichtigen. Ringsum besticht eine in wundervolle Farben getauchte Seenlandschaft, welche man von hier gut erwandern kann. Motorradfahrer werden begeistert sein, aber auch Fahrradfahrer finden geradzu ein Eldorado vor, immer wieder abwechslungsreich führt der Kurs am immer nahen Seeufer windgeschützt durch eine schwedische Urlandschaft, welche durch anheimelnde Häuser und Höfe kurzweilig unterbrochen wird.

Asnen Camping, Insel Sirkön
Kirche in Urshult, Schweden

Rund um den Asnen kann man natürlich auch der wunderbaren Tradition des Campen nachgehen, Campingplätze mit einem immer höheren, aber doch naturbelassenen Standard stehen in ausreichender Zahl zur Verfügung. Neben Flächen für Zelte und Standplätzen für Wohnwagen finden sich oft einfache Hütten bis hin zu voll ausgestatteten Ferienhäusern. In der Saison lohnt sich eine Reservierung vorab auf jeden Fall. Auch in der Nebensaison ist eine Kontaktaufnahme per Mail mit den Betreibern unbedingt zu empfehlen.

Überall am See sieht man Angler, zumeist mit dem Boot unterwegs. Das liegt vor allem daran, dass man mit dem Kahn viel flexibler ist, als an den häufig flachen Uferzonen vom Lande aus. Stege, die weit ins Wasser reichen sind eher selten, zudem oft privat genutzt oder Teile von Badeanlagen.

Hier lassen sich wohl kleine Fische fangen, auch massenhaft – aber auch der Hobbyangler hat eher Tiere im Fokus, welche das Maß für die Pfanne erreicht haben. Und diese fängt man beispielsweise an Wasserquerungen der vielen Brücken, oder einer der dichten Schilfkanten, wie rechts im Bild. Ein Ruderboot reicht an vielen der kleinen Buchten für Laien völlig aus, wer unabhängiger sein möchte, mietet einen Motor dazu.

Rotes Schwedenhaus am Asnen
Bank in Hulevik am smaländischen See Asnen

So kann man den See auch prima mit kleinen Abenteuer-Ausflügen erobern. Hierbei sind bitte die zahlreichen geschützten Inseln zu verschonen, welche wertvolle Brutstätten für die heimische Vogelwelt bilden. Wer möchte, kann sich in den Touristen-Büros über aktiven Naturschutz informieren, manche Pflanze breitet sich zu sehr aus und gefährdet die übrige Flora.

Die zuständigen Stellen sind über entsprechende Infos, auch von Urlaubern, sehr dankbar. Insgesamt ist man rund um den Asnen sehr bemüht, die Bedürfnisse von Touristen, Anglern und Naturschutz zu harmonisieren. Ohne die begeisterten Fischer wäre die Region um einiges ärmer und vernünftiger Schutz der doch so geliebten, nahen Wildnis wird von verständigen Menschen nicht nur toleriert sondern sehr oft auch noch tatkräftig gefördert.

Schilfkante am See Asnen
Asnen, Landschaft bei Sirkön

Asnen - Urshult und Tingsryd

Urshult ist erreicht. Der kleine Ort ist durch seinen Obstanbau bekannt, welcher hier, ganz im milden Klima des südliche Asnen, seit Jahrhunderten betrieben wird. Das verhältnismäßig gute Wetter macht die Gegend um Urshult auch in der günstigen Nebensaison als Reiseziel interessant, wo sich weiter nördlich oder an den Küsten gelegene Urlaubsgebiete oft schon mit dem Herbstregen oder dem vergleichsweise erst spät kommenden Frühling konfrontiert sehen. Man kann gepflegt campen in Urshult und auch Ferienhaus-Gäste findet einen guten Ausgangspunkt für Ausflüge an die Ostsee oder nach Växjö, ideale Angelreviere liegen mit dem Asnen vor der Tür.

Urshult gehört zur Gemeinde Tingsryd, welche einen großen Teil des Gebietes um den Asnen im östlichen und südlichen Teil umfasst. Der Ort Tingsryd selbst liegt etwa 10 Kilometer östlich von Urshult und nur durch eine Strasse getrennt am Tiken See, welcher, wie man links auf dem Bild sehen kann, allein schon einen Besuch wert ist. Tingsryd ist mit seinen rund 3000 Einwohnern der größte Ort in der Nähe des Asnen, rund 40 Kilometer südlich von Växjö gelegen.

Kirche in Tingsryd, Smaland
Tiken See, Tingsryd

In Katalogen und im Internet wird häufig mit der Kommune Tingsryd für Ferienhäuser geworben. Wenn ein von Ihnen gewähltes Ferienhaus Ihren Anforderungen entspricht, kann man hier von der Lage des Domizils her gesehen kaum etwas falsch machen. Eine wirklich schöne, schwedische Urlandschaft erwartet Sie mit tollen Seen und der nahen Ostsee. Hinzu kommt die Nähe zu Deutschland. Kinderfreundlich ist man in ganz Schweden und Camper finden gute Bedingungen vor. Nur Menschen, die sich gern kulinarisch verwöhnen lassen, sollten die Nähe von größeren Städten wie Växjö oder Göteborg bevorzugen.

Schön ist es auch im Spätsommer, wenn Birkenpilze und Pfifferlinge vielerorts geradezu geerntet werden können, dazu vielleicht selbst gefangener Fisch wie Barsch oder Hecht. Blaubeeren als Nachtisch. Wir haben schon tagelang in Schweden unsere Hauptmahlzeiten aus Seen und Wäldern bezogen, abgesehen von der unvermeidlichen Kartoffel in all ihren Zubereitungs-Varianten. Schön ist es auch, an einer der vielen Grillplätze am See zu sitzen, vielleicht die Angel im Wasser, und einfach die nahezu endlosen, hellen und milden Sommernächte zu genießen.

Einfahrt Getno Gard am Asnen See
Rotes Haus auf Getno Gard Camping

Das Zentrum von Tingsryd mit seinen Geschäften und Cafés ist uns an diesem herrlichen Spätsommertag ein wenig zu überlaufen, und so brechen wir auf um das Westufer des Asnen zu erkunden. Und so fahren wir die Straße 120 zurück nach Urshult und dann nordwestlich bis nach Getnö Gard. Getnö Gard ist ein Campingplatz mit Ferienhäusern, Butik und Café.

Die Ferienhäuser kann man ganzjährig anmieten, campen von Mai bis Anfang Oktober. Man macht hier Urlaub in einem privaten Naturschutzgebiet mitten im Asnensee. Die Besitzer unternehmen viele geführte Touren für Angler, Kanuten, Reiter und Naturliebhaber im Allgemeinen, uns hat ein erster Blick auf das Angebot wirklich gut gefallen.

Schild mit Apfel - der Ort Urshult
Eichhörnchen im Baum am Asnen

Unsere Entdeckungsfahrt rund um den großen Asnen neigt sich dem Ende entgegen. Jedenfalls vorläufig, da wir auf jeden Fall hierher zurückkehren werden. Am Westufer entlang geht es mit kleinen Abstechern an das Ufer wie rechts im Bild bei Hulsvik Richtung Norden.

Die alte Bank lädt zum Verweilen ein, und wer die Einladung annimmt, fühlt sich als Teil der großartigen Natur, einfach durchatmen und Schweden genießen. Sollen Andere doch früh morgens um ihre Liege am Pool kämpfen. Oder wie einst Goethes Faust an anderer Stelle mit dem gleichen Gefühl: „Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein.“